Geheimakte 2 - Puritas Cordis
Die Studentin, die Sekte und der Weltuntergang

Die Musik sollte man - obwohl ein entsprechender Regler im Options-Menü von Geheimakte 2 vorhanden ist - lieber nicht abschalten: Denn wenn der Spieler die liebevoll komponierten Werke einfach ignoriert, landen die Jungs der Musik-Abteilung schon bald vor lauter Selbstzweifeln in der Psychiatrie.

Warnhinweise wie dieser finden sich in der Anleitung des Spieles ebenso wie das Versprechen, dass in den Credits sogar erwähnt würde, wer im Team den stärksten Kaffee gekocht und am meisten Pizza bestellt hat - was, soviel sei schon einmal lautstark kritisiert - letztlich doch nicht in den Credits auftaucht.

Humor hat man im kreativen Dreigespann bestehend aus Animation Arts, Fusionsphere und Creatown, welches mit Puritas Cordis im Herbst 2008 die unter Adventure-Fans sehnlichst erwartete Fortsetzung des 2006er-Überraschungshits Geheimakte Tunguska vorlegte. Wie beim Vorgänger zeichnet sich Keen Games mit etwas Verspätung für die Portierung auf Wii und DS verantwortlich - für andere Konsolen ist Geheimakte 2 nicht erhältlich. Alle beteiligten Firmen stamen übrigens aus Deutschland, und machten das auch in den USA erschienene Adventure zu einem der erfolgreichsten Game-Exporte der letzten Jahre.

Ein neues Abenteuer für Nina

Deutschland, einige Zeit nachdem Nina und Max das Geheimnis um die Akte Tunguska gelöst haben. Die Beziehung der beiden hat nicht gehalten, und die frisch entliebte Nina gönnt sich eine Kreuzfahrt auf dem Luxusliner Calypso. Kaum an Bord, wird sie jedoch gleich in die nächste große Verschwörung hineingezogen: In ihrem Abteil landet der Koffer eines kürzlich Ermordeten, man stellt ihr nach und bedroht sie, und alles scheint mit einer beunruhigenden Weltuntergangssekte namens Puritas Cordis - Reines Herz - in Verbindung zu stehen.

Ein wenig einladender Strand,
der nützliche Gegenstände birgt

Wie im ersten Teil ist aber nicht alles ernst und düster in Ninas neuem Abenteuer. Das Entwicklerteam beweist eine gehörige Portion Humor, und wechselt ernste und humorvolle Szenen so gekonnt ab, wie man es einstmals von LucasArts gewohnt war. Mag die Grundstory die einer finsteren religiösen Verschwörung im Stil eines Dan Brown-Thrillers sein, so beweist das Skript mit einer geradezu ausufernden Flut an Wortspielen und Anspielungen Sinn für Retro-Komik: Wenn Nina einen Wandschrank begutachtet und zu dem Schluss kommt, dass man ganz entgegen den Behauptungen eines gewissen Simon damit nicht in fremde Länder reisen kann, dann schlägt das Herz des Adventure-Fans höher. Dass jüngere Spieler, die die Ära von Monkey Island, Simon The Sorcerer und Co. nicht miterlebt haben, außen vorbleiben, ist zu verschmerzen - es bleibt auch so noch genug Schönes.

In der Kabine der Calypso
ordnet Nina ihre Habseligkeiten

Eine unfreiwillige Komik bringen aber auch viele der Rätsel selbst mit sich: Man stelle sich vor: Ein Zettel unterhalb eines Kinderkarussells will gelesen werden. Was macht Nina? Wir wollen nicht zuviel verraten, aber es involviert ein Dachfenster, selbstgebastelte Putzuntensilien und den Pool des Sonnendecks. Den Zettel einfach unter dem Ding hervorholen ist schließlich was für verwöhnte Neuzeitgamer - Geheimaktes Puzzle sind so herrlich absurd wie in kaum einem anderen aktuellen Adventure - und dabei doch meist logisch nachvollziehbar. Eine Hilfe, die ratlose Spieler mit Lösungstipps versorgt und eine Funktion, die auf Knopfdruck alle nutzbaren Objekte im Bild markiert, helfen, den Frustfaktor gering zu halten.

Einfach, aber gut

Auf Knopfdruck werden, wie hier,
interaktive Elemente markiert

Auch wenn die erzählte Geschichte eine andere ist, hat sich spielerisch ansonsten aber nicht viel getan. In Puritas Cordis gibt es nun drei spielbare Charaktere, die teilweise auch parallel agieren und Rätsel kooperativ lösen müssen, neue Übersichtskarten vereinfachen die Navigation in den größeren Gebieten. Die Steuerung erfolgt elegant per Fernbedienung - A und B entsprechen den Maustasten des Originals, und lösen die Standard-Optionen "Ansehen" und "Interagieren" aus. Die Zeiten, in denen Adventures mit Dutzenden von Verben arbeiteten, sind vorbei. Besonders praktisch: Gegenstände aus dem Inventar können direkt per Steuerkreuz angewählt werden, was das "hin- und Herklicken" minimiert. Wer will, kann die Spielfigur aber auch per Nunchuk bewegen. Ach ja, und ein zweiter Spieler kann erneut eine zweite Fernbedienung als völlig nutzlosen Laserpointer benutzen, um den Haupt-Abenteuerer auf Objekte hinzuweisen.

Technisch entspricht die Sektenhatz ebenfalls der Vorlage von 2006: Puritas Cordis ist als PC-Game für die durchschnittliche Leistung eines Arbeits-PCs konzipiert, und die Wii-Version bietet keine nennenswerten Verbesserungen. Die Figuren sind teilweise nicht so detailliert, wie man das heutzutage gern hätte, und insbesondere die zahlreichen Full-Motion-Videos können nicht ganz mit moderner Kost mithalten. Entschädigt wird man durch detailreiche, vorgerenderte Hintergründe, die den Retro-Charme des Spiels wesentlich besser unterstreichen, als es 3D-Konstruktionen möglich wäre.

Tolle Fortsetzung ohne Überraschungen

Der Wii-Cursor zeigt jederzeit an,
welche Aktionen möglich sind

Wie der erste Teil ist auch Puritas Cordis ein Spiel für Adventure-Kenner, die fest in der Tradition der großen LucasArts-Titel verwachsen sind. Für Gelegenheitsspieler ohne Genre-Erfahrung dürfte das ein oder andere Rätsel einfach eine Ecke zu unlogisch wirken - realitätsnah sind die meisten Vorgehen in diesem Spiel wirklich nicht, zu bewältigen jedoch zumindest dank der Hilfestellungen fast immer. Die technisch mittelmäßige Präsentation und der Verzciht auf wirklich neue Spielelemente wird von der Liebe zum Detail in Wort und Bild, den großartigen, professionellen Synchronsprechern und der ausgewogenen Mischung aus ernstem Verschwörungsthriller und lichten Humor-Elementen aufgewogen. Kurzum: Wer Geheimakte Tunguska mochte, wird auch an Puritas Cordis seinen Spaß haben.

 

Erhältlich seit: 8. Mai 2009
Entwickler / Vertrieb: Animation Arts, Fusionsphere, Creatown, Keen Games / Koch Media
Sprache: Komplett Deutsch
Verwendete Controller: Fernbedienung, Nunchuk optional
Unterstützte Kanäle: Keine
Grafik und Sound: 4:3/16:9, 50/60 Hz, Progressive Scan
Nintendo Wi-Fi Connection: Nicht unterstützt
Multiplayer-Modus: 2 Spieler
Altersfreigabe: Freigegeben ab 6 Jahren

Rezension von Markus, 24.05.2009

 

 

    

 

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